Off-Topic:
kamm28 hat geschrieben:
Auch auf der letzten Seite hatte ich Probleme: Eine Frau, die sich sexy oder provokativ kleidet, erreicht bei mir definitiv weniger als eine Frau, die das nicht macht, aber ich kann schlecht beurteilen, wie das bei anderen oder allgemein ist. Oder "Frauen sind genauso sportlich wie Männer.": In den allermeisten Sportarten haben die Männer nun mal bessere Leistungen, allein schon, weil die Körperkraft je nach Körperteil im Durchschnitt leicht bis deutlich höher ist. Da ich Sportlichkeit aber nicht als reine Leistungsschau definiere, sondern durchaus differenziere und unterschiedliche Gewichtungen gelten lasse, bin ich eigentlich schon der Meinung, dass Frauen genau so sportlich sein können, wie Männer.
Das ist sowieso ein Problem in statistischen Verfahren, das - so zumindest mein Eindruck - aktuell nur deshalb noch besteht, weil es schon immer so war.
Manche Menschen beziehen solche Fragen nur auf sich selbst, während Andere versuchen, stellvertretend eine Antwort für alle Menschen zu finden (womit natürlich die Gefahr besteht, dass sie falsch liegen). Das ist manchmal beabsichtigt, um das allgemeine Empfinden der Masse zu studieren, oft genug aber auch nicht. Klug wäre es, Teilnehmer darüber aufzuklären, worauf es hinaus laufen soll, was Fehlinterpretationen seitens der Teilnehmer ausschlösse.
Ich werd' öfters von einem Marktforschungsinstitut (Forsa) angerufen und es ist bisher noch nie vorgekommen, dass ich nicht zumindest mit einer Frage zu kämpfen hatte, da sie absolut unklar war. Eine genauere Fragestellung würde oft vieles vereinfachen und gleichzeitig auch zu genaueren Ergebnissen führen.
Je öfter man an solchen Umfragen teilnimmt, desto mehr beginnt man, Ergebnissen von Statistiken nicht zu trauen, deren Fragenkatalog nicht dediziert mitpubliziert wird. Das sollte im Übrigen sowieso deutlich gängigere Praxis sein..andauernd liest man irgendwelche super-interessanten Studien, aber nirgends lässt sich herausfinden, wie diese Ergebnisse zustande gekommen sind. Oft genug werden noch nicht einmal die Stichprobenparameter (Wie viele? Woher akquiriert? Wie wurden die Personen angesprochen? ...) angegeben.

Besonders spannend wird das bei konkurrierenden Studien, die zur prinzipiell gleichen Fragestellung zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Ich erinnere mich da an so einen Fall zwischen PeTA und der Fleischindustrie (bzw. einem Lobbyverband derer), die zur Akzeptanz von Vegetarismus zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen gelangten. Aktuell scheint Selbiges auch beim Thema Frauenquote zu passieren, wo die Zahlen trotz oder gerade wegen streng konservativ-akademischer Vorgehensweise (wenn man das nur wüsste!) mehr schwanken als es durch Medieneinflüsse erklärbar wäre.
Ich weiß von zumindest einem Statistiker, der es mag, eine Quasi-Kontrollgruppe zu haben, in welcher dieselben Fragen in etwas laxerer Form gestellt werden, wodurch er eine Art Langzeit-Meta-Studie zum Einfluss der Fragen selbst auf die Ergebnisse und Interpretationen schafft. Mal sehen, was dabei 'rumkommt.
@Typ404: Wenn Du trotz Off-Topic-Warnung noch mitlesen solltest, siehe obigen Rant bitte nicht als Angriff auf eure Vorgehensweise an. Ich bin mir sicher, dass eure Fakultät die Daten sorgfältig auswertet - und das ist es, was letztlich zählt. Ich bin nur etwas enttäuscht von der gedankenlosen Arbeit und dem mangelnden Selbstreflexionsvermögen einiger anderer Statistiker, denen ich in meinem Arbeitsumfeld begegnet bin...zumal Statistik schon in der Schule meine Lieblingsdisziplin war. :wink:
TL;DR: "Average a left-hander with a right-hander and what do you get?"