Sind wir weichgespült worden?

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Guffi McGuffinstein
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Re: Sind wir weichgespült worden?

Beitrag von Guffi McGuffinstein » 17.12.2012 16:43

gollum_krumen hat geschrieben: Früher waren Spiele eben auch teilweise dadurch schwierig, dass sie eine unzugägnliche Bedienung hatten. Das kann und sollte man verbessern. Wahre Schwierigkeit entsteht durch Anspruch.
Das ist das Interessante an den Hitman Titeln. Mit jedem Teil stiegen die spielerischen Möglichkeiten, das Ziel zu eliminieren. Plötzlich konnte man Wachen ablenken, wodurch es natürlich wegfiel, diese umgehen zu müssen. Dadurch wurde das Spiel leichter, OHNE, dass man am anfänglichen Konzept etwas geändert hatte. Würde man Level aus dem ersten Teil in den vierten Teil (Blood Money) eins zu eins übertragen wären diese um Längen leichter als damals, weil die Steuerung besser und die Möglichkeiten vielfältiger wurden. Hitman hat es lange Zeit geschafft, diesen Veränderungen einen entsprechenden Gegenpol vorzusetzen.

Und somit stimme ich dir auch zu, was die wahre Schwierigkeit durch Anspruch angeht. Macht man ein Spiel leichter zu kontrollieren und gibt dem Spieler mehr Möglichkeiten zur Hand, muss man auch am restlichen Spiel drehen, sonst entsteht ein Ungleichgewicht. Wenn man z.B. Hindernisse, die man früher umgehen musste, plötzlich mit einem Befehl überwinden kann, dann muss man sich etwas neues einfallen lassen, um dieser Vereinfachung wieder etwas anderes entgegen zu setzen. Und ich denke, DAS ist nicht immer passiert und hat einige Spiele immer "einfacher" werden lassen was man heute als "alt eingesessener" Gamer spürt.
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NoCrySoN
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Re: Sind wir weichgespült worden?

Beitrag von NoCrySoN » 17.12.2012 19:58

Der Text ist leider bisl lang geworden, zu sehr in alten Zeiten geschwelgt. Doch nun muss er auch raus, war schließlich Arbeit. ;)


So ungern ich es zwar zugeben mag, doch gibt es meiner Meinung nach einen Nachfolgertitel, welchen ich dank der "Vereinfachung" gegenüber dem ersten Titel nun gerne zwischendurch spiele. Und das ist, wenn ich so recht überlege, das wirklich einzige Spiel, wo ich die Vereinfachung definitiv befürworte. Dota2

Ich erinnere mich da an den ersten Teil zurück...eine Mod für Wc3. Hach hab ich damals gerne mit Freunden Lan-Partys veranstaltet. Man hat sovieles durchgezockt, vieles Querfeld ein, bis wir zu Dota gekommen sind. Das Problem, ich war der einzige der nicht wirklich und das ist teilweise noch heute so, mit den WoW,Star-,Warcraft und deren ganzen seltsamen Mods etwas anfangen konnte. Tja und dann kommt da eine Mod die plötzlich scheißbeliebt ist und alles in den Schatten zu stellen scheint.

Alle sind heiß außer mir, haben ruckzuck einen Charakter ausgewählt, aus einer gefühlt unendlichen Liste von verschiedenen Figuren, machen Anfangs ein paar Klicks und zack steht jeder auf einem Weg und wartet bis zum Go der KI. Und wo steh ich, noch am Startpunkt, hab ewig gebraucht um einen möglichst interessant aussehenden Charakter zu nehmen (Zeit zum Analysieren der einzelnen Charaktere wurde mir nicht gewährt) und da er nunmal cool aussieht, muss er schließlich auch cool sein....


Ich fang also an, geh auf eine mir befohlene "Line" und warte. Es geht los und so langsam komm ich ins Gameplay rein, level auf, investier meine Pünktchen in Fertigkeiten, die ich natürlich probehalber einfach gleich mal losfeuer und merke nach ner Zeit, dass ich irgendwie zuviel Gold hab. Ich sollte mir also was kaufen, die anderen prahlen schließlich auch schon was für tolle Mo...Mo...Mo...MonsterbeschwingEpicSchwerterMaskenHealthRüstungSuperDuperTeile sie haben.

Beim Shop angekommen,.......warte...das sind ja mehrere, oh Gott 4? 5? einzelne Typen stehen da und jeder hat an die ca. 20 Items. oO Was hol ich nur....Zeit vergeht....hieß es nich irgendwie vorhin was von BootsofSpeed...wo sind die nur...Da schreits aus der Ecke: "Hey Noob, wende deine Boots hast, hol dir für dein char dat Blade of Madt34?er3..." oO Was wollte er... mhh mal schauen....ach da isses ja, glaub ich zumindest, "Un wende dat hast dann hol noch dat Recipe für Hand of 5gfgs plus Demon..ff3rw, im Forest beim andern Shop"..... 8O


Ich glaub ich hör hier mal auf. ;) Das Problem war beim ersten Teil einfach dieses für mich extrem schwer zugängliche Spiel. Natürlich hätte ich mich zwischen diesen Lan's näher damit beschäftigen können, doch war CS damals meine Erfüllung, da kam das bunte Gewusel nicht infrage.

Nun einige Jahre später bekomme ich plötzlich Dota2 von einem Freund geschenkt und hab Spaß dran. Woran liegts? All die oben genannten Punkte wurden auf solch anscheinend elegante Lösung beseitigt, dass man regelrecht gerne die Tutorialvideos anschaut und mit der Ki oder anderen Freunden zockt. Der Shop wurde auch super umgebaut, sodass man nun auf einen Blick alle Items mit ihren Kombinationen sieht und all das in nur einem Shop, inklusive den Shops in den Wäldern. Natürlich gibt es noch immer die gefühlt tausend Helden, genauso wie die Items, doch probiert man nun gerne mehr aus, da einem auch im Menü geholfen wird, mit Erklärungen, Videos etc..
Ich kann jetzt zwar nicht hundertprozentig urteilen, da ich den Vorgänger meist nur widerwillig mitgespielt habe, doch kommt es mir so vor, als wenn das noch immer komplexe Spiel zwischen Charakter + passende Items beibehalten, doch das Gefummel drumherum positiv beseitigt wurde. Es greift also eigentlich nicht zu sehr ins Gameplay, es ist eher eine positive Vereinfachung der Handhabung.

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the curie-ous
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Re: Sind wir weichgespült worden?

Beitrag von the curie-ous » 19.12.2012 10:48

Da fällt mir gerade - aus gegebenem Anlass - das Beispiel über Resident Evil ein.
Ich weiß, langweilige und unnötige Diskussion. Ich will auch nur kurz darauf eingehen. Dennoch trifft das Weichspülargument auch auf die Problematik dieser Serie.

In den ersten Teilen hatte ich noch ein derart begrenztes Inventar, dass ich mehrere Minuten damit verbracht habe, abzuwägen, welche Waffen und Items ich mitnehme, aber noch soviel Platz freilasse um weitere Gegenstände aufnehmen zu können. Gerade wenn ich dieses Spiel zum ersten Mal zockte, war dieser Umstand besonders grausig, da ich nunmal nicht wußte was mich alles erwartet.
Zumal im weiteren Verlauf des Spieles die Gegner auch stärker wurden. Wenn ich falsch gewählt habe, mußte ich letztendes wieder zur Kiste zurück und mich neu ausrüsten.
Dieses System verfolgte Capcom bis RE: Code Veronica und ich hatte nix dagegen einzuwenden.
Heute, Resident Evil 6, alle Waffen und Gegenstände passen ohne Probleme in mein Inventar. Und ich kann mich zielbewußt von einem Checkpoint zum nächsten ballern, hab ja alles dabei was ich brauche.
Taucht ein starker Gegner auf, hilft mir sicherlich dieses neue Gewehr was ich vor 2m gefunden habe. SchaBÄMMs, BLÄMMo, SchaBÄMMs, Monster tot, weiter gehts.

Auch wenn mir Resident Evil 1 heutzutage keinen Schauer mehr über den Rücken fahren läßt - wie zu damaligen Zeiten-, brauche ich dennoch meine Gehirnzellen 10mal mehr, um über mein Inventar zu grübeln und um einen sicheren Weg durch das Anwesen zu finden, als es Resident Evil 6 jemals von mir fordern könnte.
Und dies ist eines der vielen Punkte die mich an dieser Neuausrichtung der Serie stören und den Begriff weichgespült regelrecht verdient hat.
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sYntiq
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Re: Sind wir weichgespült worden?

Beitrag von sYntiq » 19.12.2012 15:55

Elderbunnie hat geschrieben:Wie kam es, dass wir (ich behaupte einfach mal, dass ich damit nicht alleine da stehe) früher diese Games exzessiv gespielt haben, ohne uns über den Schwierigkeitsgrad zu mokieren? Haben uns die "modernen" Games, die einen manchmal mit Hilfestellungen überschütten, weichgespült? Vertragen wir keine fordernden Games mehr, die uns manchmal ratlos vor dem Monitor sitzen lassen und uns zwingen, sich tatsächlich mit dem Handbuch (wenn's denn eins gibt) zu befassen?
Hmm..irgendwie scheint es in diesem Thread gerade eher um "sind Spiele weichgespült, bzw. einfacher gewordne als früher" zu gehen anstatt um die Frage des Threaderstellers (zumidnest so wie ich sie verstanden habe) aber trotzdem mal meinen Senf hierzu:

Mir geht es ähnlich wie dir. Viele Spiele die ich damals geliebt habe, lasse ich, wenn ich sie heute wieder spiele, relativ schnell frustriert links liegen. Es hat zum Teil garantiert auch etwas damit zu tun dass wir solche Spiele heutzutage eher weniger gewohnt sind, aber garantiert auch einfach mit dem Thema Zeit sowie dem allgemeinen Spieleangebot.

Zeit: Damals hatte ich Schule und ansonsten frei. Grösstenteils war ich in der Woche um 13-14Uhr schon wieder zu Hause und konnte mich ganz dem Zocken widmen. Einkaufen gehen, Wäsche waschen usw usw? Dazu hatte ich meine Eltern. :) Demzufolge hatte ich auch viel, viel Zeit mich wirklich intensiv mit den Spielen zu beschäftigen. Eine Woche an einem Endboss festhängen bevor man den Kniff endlich raus hatte usw. war normal und irgendwie "egal"
Heutzutage arbeite ich. Ich bin unter der Woche oftmals erst 19-20 Uhr wieder im Haus. Dank eigenem Haushalt muss man auch mal Ordnung machen, Wäsche waschen, einkaufen usw. usw. Da bleibt dann nicht mehr so viel Zeit zum Zocken wie früher. Hab ich früher ne Woche an einer Stelle im Level gehangen bevor ich weiterkam, wäre es bei der gleichen Stundenanzahl heutzutage wohl locker mal ein Monat bevor ich weiterkomme. Da habe ich pers. heutzutage einfach keinen Bock mehr drauf. Wenn ich nach getaner Arbeit Abends noch 1-2 Stunden zocke, möchte ich auch irgendetwas erreichen/schaffen. Da ist es natürlich irgendwie schon schön wenn Spiele einfach zugänglicher werden. :) Ich pers. möchte zwar nicht unbedingt nur zugucken wie ich im Halbschlaf durch das Spiel wandere, allerdings höre ich ein Spiel auch ganz schnell wieder auf, wenn ich 1-2Wochen an der gleichen Stelle festhänge.
Damals hatte ich viel Freizeit und konnte/wollte mir die Spiele noch richtig "erarbeiten". Heute arbeite ich den ganzen Tag, strenge den ganzen Tag mein Hirn an, da zocke ich grösstenteils eher zum abschalten/entspannen.
Vor allem: Damals habe ich auch viel gezockt zwecks "Wettbewerb" mit Freunden. Man wollte den höchsten Highscore haben, der erste sein der den Big Bad Endboss besiegt usw. Heutzutage fehlt mir dieser Wettkampfgedanke bei Spiele fast völlig. Ich möchte irgendwie etwas "erleben". Mir eine schöne Story "erspielen" etc. (Filme gucken ist mir dann doch wieder zu platt. ;))

Spieleangebot: Damals bekam ich nur etwas Taschengeld. Bis ich mir mal ein Spiel leisten konnte musste ich teilweise richtig lange sparen. Dementsprechend lange und intensiv habe ich mich dann auch mit einem Spiel auseinandergesetzt. 1.)War das Spielaufgebot einiges kleiner als heutzutage, 2. war "alle paar Monate mal ein neues Spiel kaufen" auch nicht gerade förderlich für die pers. "Spieleabwechslung. Ich kannte es nicht anders als mich monatelang mit einem Spiel zu beschäftigen. Es war selbstverständlich und dementsprechend hat einen auch der Schwierigkeitsgrad nicht gestört.
Heutzutage arbeite ich und hab daher mehr als nur ein "Taschengeld". Ebenso ist das Spielangebot heutzutage wesentlich grösser, was auch heisst dass man ältere Titel schnell mal günstiger bekommt. (Gepaart mit der mittlerweile einfachen Möglichkeit die Spiele günstig aus dem Ausland zu bekommen. :))
Ich komme bei den Spiele die ich zu Hause im Regal habe schon nicht mehr mit dem Spielen hinterher und dann kommen auch immer wieder neue Spiele heraus die ich unbedingt spielen möchte. In sofern ist es auch wesentlich einfacher und "reizvoller" einfach zu einem anderen Spiel zu greifen wenn man festhängt, anstatt ewig Zeit zu investieren bis man weiterkommt.

(Ich habe gerade das Gefühl dass ich beim Part "Spieleangebot" nicht ganz das geschrieben habe was ich eigentlich ausdrücken wollte. hmm...)
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Wulgaru
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Re: Sind wir weichgespült worden?

Beitrag von Wulgaru » 20.12.2012 10:09

crewmate hat geschrieben:
YBerion hat geschrieben:@crewmate:
Wo hat er denn auf die gesamte Branche geschlossen? Er hat da schon recht: ein Demons Souls/Dark Souls hätte man vor 10 Jahren oder mehr nicht als überschweres Spiel vermarkten können, da es nicht sonderlich schwer im Vergleich gewesen wäre. Heute dagegen geben CoD und Simplifizierung den Ton an, was aber noch lange nicht heißt, dass es auch Gegenrichtungen gibt.
Das liegt vor allem daran, das mehr Leute spielen als je zuvor. Das ist genau wie mit Chart Musik oder Filmen. Transformers und The Fast and the Furious - Call of Duty und Need for Speed.

Und an dieser Entwicklung ist nichts schlimmes, solange jeder was zu zocken findet.
Also mal die guten alten 80er und 90er in allen Ehren, aber die Souls-Reihe hätte auch damals als sehr schweres Spiel gegolten. Natürlich gibt es die Anfangsära C64/NES/Amiga/MasterSystem, wo sich die Entwickler im Grunde wenig um die Bedürfnisse der Spieler geschert haben bzw. Spiele so kurz waren, dass sie knüppelhart sein mussten um einen Reiz auszuüben.

Spätestens seit den 90ern gibt es aber alle Arten von Spielen. Harte, leicht zugängliche, easy to learn hard to master, unfaire Spiele usw.
Der Schwierigkeitsgrad eines Souls ist doch nicht zeitlich relativ, dass ist ein schweres Game und war es schon immer.

Fiddlejam
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Re: Sind wir weichgespült worden?

Beitrag von Fiddlejam » 22.12.2012 18:18

Ich finde ehrlich gesagt das "aber jetzt gibt es ja Indie-Entwickler und Kickstarter-Projekte um weniger weichgespülte Spiele zurückzubringen"-Argument etwas schwach. Indie bedeutet für mich vor allem "neues versuchen" und nicht "das uralte wieder ausmotten".
Generell erscheint mir das ganze "Spiele sind heute wie früher, nur leichter" ziemlich unfundiert. In meinen Augen sehen wir heute vor allem eine Änderung der Genre-Begriffe, nicht des Schwierigkeitsgrades an sich.
Nehmen wir Shooter als einfache Beispiele. Heutige Shooter, wie CoD sind sicherlich sehr viel einfacher als alte, aber vor allem sind sie an sich ein völlig anderes Genre. Relativ simples Beispiel, Autoheal-Mechaniken. Die allerersten 2D-Shooter hatten noch Projektile, die so schnell flogen, dass man ihnen aktiv ausweichen konnte. Heute haben wir zwar tausend Berechnungen für Bullet-Drop, Recoil usw., aber im Endeffekt ist es dennoch beinahe Hitscan. Dementsprechend werden Autoheal-Mechaniken genutzt. Oder One-Button-Cover.
Das oftmals für weichgespültes Gameplay runtergemachte Assassins Creed ist auch ein gutes Beispiel. Die Leute sind immer noch in den alten Mustern festgefahren. "Das Spiel bittet die Möglichkeit zu Klettern, also muss es anspruchsvolles Klettern bieten. Das Spiel bietet Kämpfe, also müssen es anspruchsvolle Kämpfe sein. Das Spiel hat Assassins im Titel, also muss es beinahe nur aus Stealth bestehen."

Davon abgesehen der generelle Fortschritt der Technik. "Anspruchsvollere Mechaniken" waren oft nichts anderes als veraltete Systeme und Steuerungsmethoden. Sieht man sehr gut an den Silent-Hill-Games oder auch Resident Evil.
Ja, der Nebel in SH hat ein bedrückendes Gefühl erzeugt. War aber vor allem wegen der schwachen Hardware nötig.
Ja, die Steuerung in RE hat den Spieler hilfloser gemacht. War aber vor allem einfach nur scheiße.

Mir erscheint es sowieso, als ob hier "flüssiges Spiel" mit "einfaches Spiel" verwechselt wird. Gerade wenn es um Sachen geht wie "muss man halt mal in der Wiki nachlesen". Bullshit. In dem Moment, in dem ich einen Walkthrough benutzen muss, besitzt das Spiel für mich einen bitteren Beigeschmack, weil irgendwo eine Designentscheidung getroffen wurde, die mir das Weiterkommen erschwert . Beispiele sind Bosskämpfe, bei denen nicht ersichtlich ist, ob man nun normal angreifen soll oder ein bestimmtes Skriptevent auslösen. Pixelsucherei und unsinnige Rätsel in Adventures. Fluchtsequenzen bei denen der Weg nicht ersichtlich ist generell. So ziemlich alles ohne sinniges, instanziertes Tutorial (Wirklich schlimm fand ich da Planetside 2. "Wir setzen dich nun in einem Kriegsgebiet ab. Viel Glück." - Landung - sofort tot. Yeah.).
Mark of the Ninja war für mich ein sehr gutes Beispiel für ein Spiel, dass nicht anspruchslos, aber dennoch flüssig lief. Ich komme beispielsweise auch gut damit zurecht, dass die Rezepte in Minecraft eben mal in der Wiki gefunden werden müssen, weil es irgendwo zum Geist des Spiels passt. Oder man sich grundlegende Features erarbeitet. Ich brauche kein "bewege dich mit WASD". Aber wenn man sofort mit Features überschüttet wird oder sich, wie in manchem MMORPG, durch eine halbe Wiki lesen muss um auch ja keinen Skillpunkt falsch zu setzen... nein danke. Ich komme beispielsweise auch überhaupt nicht mit Dota und Konsorten zurecht. Klar, ich könnte mich in diesen ganzen Mechaniken einarbeiten, aber warum sollte ich, wenn ich stattdessen ein Spiel haben kann, bei dem ich am Ende das selbe Erfolgserlebnis, den selben Anspruch haben kann, mir dies aber tatsächlich auch im Spiel erarbeite?
Wenn ich in einem Shooter eine Waffe in die Hand gedrückt bekomme, weiß ich, was ich damit anzufangen habe. Wenn ich zeitgleich 10 Skills bekomme, nicht. Genau so schlimm ist es, wenn man nur zwei Servergruppen im Multiplayer bereitstellt, Anfänger und fortgeschritten. Dann darf man vielleicht 5 Stunden trainieren, gegen andere Leuten, die ebenfalls trainieren und keine Ahnung haben, und soll dann urplötzlich gegen die fortgeschrittenen Taktiken sämtlicher anderer bestehen, egal wie erfahren diese sind.

Dementsprechend erscheint mir dieser Ruf nach "zurück zu den Wurzeln" kontraproduktiv. Sinniger wäre es, Anspruch UND moderne Spielmechaniken geschickt zu kombinieren, statt sich einfach nur auf die veralteten Mechaniken zu verlassen oder auf dem hohen Ross des "nun, ich beherrsche dieses Spiel perfekt, also solltet ihr das auch, und zwar möglichst sofort" zu verstecken.

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Bedameister
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Re: Sind wir weichgespült worden?

Beitrag von Bedameister » 22.12.2012 19:13

Also wenn ich Spiele von damals heute wieder spiele merke ich eigentlich, dass es mir heute viel leichter fällt. Könnte aber daran liegen, dass ich damals einfach noch extrem jung war und seitdem halt viel erfahrener geworden bin in Sachen Videospiele.
Aber es stimmt natürlich, dass die Spiele heute extrem weichgespült sind.

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Re: Sind wir weichgespült worden?

Beitrag von DerUserDenKeinerMag » 22.12.2012 19:29

Fiddlejam hat geschrieben:Text, sehr viel Text...
Vielen Dank! Ich verfolge diesen Thread schon eine ganze Weile, und wusste nicht so richtig wie ich meine Meinung ausdrücken soll. Deinen Text aber, kann ich nur unterschreiben.


Und da ja hier auch aufkam das man so weichgespült sei, dass man die Klassiker nicht mehr schafft: Das liegt meiner Meinung nach daran dass man sich mit diesen schwer zugänglichen und in die länge gezogenen Softwaremonstern nicht rumschlagen will, weil man einfach weiß das es viel besser, flüssiger un zugänglicher geht.
Nein, das ist kein Trollaccount.

Armin
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Re: Sind wir weichgespült worden?

Beitrag von Armin » 22.12.2012 20:04

Ach Hitman 2 war also ein schwer zugängliches und in die länge gezogenes Softwaremonster, womit man sich heute nicht mehr herumschlagen kann?

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Serious Lee
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Re: Sind wir weichgespült worden?

Beitrag von Serious Lee » 22.12.2012 21:35

Ich denke es hat was mit dem gestiegenen Durchschnittsalter der Gamer zu tun. Man fuchst sich irgendwann einfach nicht mehr so rein und will Spiele ballastfreier erleben.

Dazu kommt natürlich, dass es heutzutage ein so breites mediales Unterhaltungsangebot gibt, dass der einzelne Titel an sich nicht mehr so einen Raum einnehmen kann.
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Re: Sind wir weichgespült worden?

Beitrag von Armin » 22.12.2012 22:38

8BitLegend 8BitLegend hat geschrieben:Ich denke es hat was mit dem gestiegenen Durchschnittsalter der Gamer zu tun. Man fuchst sich irgendwann einfach nicht mehr so rein und will Spiele ballastfreier erleben.
Das kann ich ueberhaupt nicht verstehen. Werden alle duemmer, wenn sie 30 werden? Ich hab mit 12 komplizierte Spiele meist gar nicht richtig kapiert, heute ist das kein Problem mehr. Und je aelter ich werde, desto hoeher stell ich den Schwierigkeitsgrad bei Civ oder Col ein, man lernt doch dazu.

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Re: Sind wir weichgespült worden?

Beitrag von Bedameister » 22.12.2012 22:42

Armin hat geschrieben:
8BitLegend 8BitLegend hat geschrieben:Ich denke es hat was mit dem gestiegenen Durchschnittsalter der Gamer zu tun. Man fuchst sich irgendwann einfach nicht mehr so rein und will Spiele ballastfreier erleben.
Das kann ich ueberhaupt nicht verstehen. Werden alle duemmer, wenn sie 30 werden? Ich hab mit 12 komplizierte Spiele meist gar nicht richtig kapiert, heute ist das kein Problem mehr. Und je aelter ich werde, desto hoeher stell ich den Schwierigkeitsgrad bei Civ oder Col ein, man lernt doch dazu.
Naja es gibt viele Leute die den halben Tag arbeiten, haben noch Familie und wollen Abends mal 1-2h zocken und da hat man nicht mehr die Zeit/Nerven sich komplett auf ein Spiel einzulassen. Man will ein Spiel mit dem man für einige Stunden gut unterhalten wird, das einem Spaß macht und in das man schnell reinfindet ohne dass man 100+ h dafür investieren muss. Früher war das halt was anderes, da kam man Mittags von der Schule heim und dann hatte man einfach mehr Zeit für Spiele. Dazu noch Wochenende und mehr als genug Ferien.
Klar das ist nicht bei allen so aber es ist ein Faktor den man nicht vergessen sollte

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Re: Sind wir weichgespült worden?

Beitrag von the curie-ous » 22.12.2012 22:43

Armin hat geschrieben:
8BitLegend 8BitLegend hat geschrieben:Ich denke es hat was mit dem gestiegenen Durchschnittsalter der Gamer zu tun. Man fuchst sich irgendwann einfach nicht mehr so rein und will Spiele ballastfreier erleben.
Das kann ich ueberhaupt nicht verstehen. Werden alle duemmer, wenn sie 30 werden? Ich hab mit 12 komplizierte Spiele meist gar nicht richtig kapiert, heute ist das kein Problem mehr. Und je aelter ich werde, desto hoeher stell ich den Schwierigkeitsgrad bei Civ oder Col ein, man lernt doch dazu.
Ich vermute er meint weniger den geistigen Zustand im höheren Alter, sondern mehr die zur Verfügung stehende Zeit.
siehe den Post von Syntic:

"Zeit: Damals hatte ich Schule und ansonsten frei. Grösstenteils war ich in der Woche um 13-14Uhr schon wieder zu Hause und konnte mich ganz dem Zocken widmen. Einkaufen gehen, Wäsche waschen usw usw? Dazu hatte ich meine Eltern. :) Demzufolge hatte ich auch viel, viel Zeit mich wirklich intensiv mit den Spielen zu beschäftigen. Eine Woche an einem Endboss festhängen bevor man den Kniff endlich raus hatte usw. war normal und irgendwie "egal"
Heutzutage arbeite ich. Ich bin unter der Woche oftmals erst 19-20 Uhr wieder im Haus. Dank eigenem Haushalt muss man auch mal Ordnung machen, Wäsche waschen, einkaufen usw. usw. Da bleibt dann nicht mehr so viel Zeit zum Zocken wie früher. Hab ich früher ne Woche an einer Stelle im Level gehangen bevor ich weiterkam, wäre es bei der gleichen Stundenanzahl heutzutage wohl locker mal ein Monat bevor ich weiterkomme. Da habe ich pers. heutzutage einfach keinen Bock mehr drauf. Wenn ich nach getaner Arbeit Abends noch 1-2 Stunden zocke, möchte ich auch irgendetwas erreichen/schaffen. Da ist es natürlich irgendwie schon schön wenn Spiele einfach zugänglicher werden. :) Ich pers. möchte zwar nicht unbedingt nur zugucken wie ich im Halbschlaf durch das Spiel wandere, allerdings höre ich ein Spiel auch ganz schnell wieder auf, wenn ich 1-2Wochen an der gleichen Stelle festhänge.
Damals hatte ich viel Freizeit und konnte/wollte mir die Spiele noch richtig "erarbeiten". Heute arbeite ich den ganzen Tag, strenge den ganzen Tag mein Hirn an, da zocke ich grösstenteils eher zum abschalten/entspannen.
Vor allem: Damals habe ich auch viel gezockt zwecks "Wettbewerb" mit Freunden. Man wollte den höchsten Highscore haben, der erste sein der den Big Bad Endboss besiegt usw. Heutzutage fehlt mir dieser Wettkampfgedanke bei Spiele fast völlig. Ich möchte irgendwie etwas "erleben". Mir eine schöne Story "erspielen" etc. (Filme gucken ist mir dann doch wieder zu platt. ;))

Spieleangebot: Damals bekam ich nur etwas Taschengeld. Bis ich mir mal ein Spiel leisten konnte musste ich teilweise richtig lange sparen. Dementsprechend lange und intensiv habe ich mich dann auch mit einem Spiel auseinandergesetzt. 1.)War das Spielaufgebot einiges kleiner als heutzutage, 2. war "alle paar Monate mal ein neues Spiel kaufen" auch nicht gerade förderlich für die pers. "Spieleabwechslung. Ich kannte es nicht anders als mich monatelang mit einem Spiel zu beschäftigen. Es war selbstverständlich und dementsprechend hat einen auch der Schwierigkeitsgrad nicht gestört.
Heutzutage arbeite ich und hab daher mehr als nur ein "Taschengeld". Ebenso ist das Spielangebot heutzutage wesentlich grösser, was auch heisst dass man ältere Titel schnell mal günstiger bekommt. (Gepaart mit der mittlerweile einfachen Möglichkeit die Spiele günstig aus dem Ausland zu bekommen. :))
Ich komme bei den Spiele die ich zu Hause im Regal habe schon nicht mehr mit dem Spielen hinterher und dann kommen auch immer wieder neue Spiele heraus die ich unbedingt spielen möchte. In sofern ist es auch wesentlich einfacher und "reizvoller" einfach zu einem anderen Spiel zu greifen wenn man festhängt, anstatt ewig Zeit zu investieren bis man weiterkommt. "




Geht so in Richtung von meiner Meinung.
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Armin
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Re: Sind wir weichgespült worden?

Beitrag von Armin » 22.12.2012 22:49

Wenn Ihr also den ganzen Tag Zeit haettet, wuerdet Ihr komplizierte Strategiespiele und Wisims spielen, und keine shooter mehr? Faellt mir schwer zu glauben.

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Re: Sind wir weichgespült worden?

Beitrag von the curie-ous » 22.12.2012 22:54

Als ich vor einiger Zeit einen Bänderriss hatte und wochenlang zuhause bleiben durfte, hab ich mir mal Supreme Commander gegeben und hatte meinen Spaß damit. Wirtschaftssimulationen abseits von Civ mag ich aber überhaupt nicht. Generell würde ich mir auch sehr gerne 'nen Flugsimulator für Blackhawks gönnen, mit richtigen Missionen - ähnlich wie A 10- und ner passenden Ausrüstung. Gibts aber leider nicht und die Zeit hätte ich daür auch nicht.
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