Sind wir weichgespült worden?

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A_R_F
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Re: Sind wir weichgespült worden?

Beitrag von A_R_F » 24.01.2013 17:23

t1gg0 hat geschrieben:Ich kenne das Spiel, habe es aber nicht gespielt.
Meine Aussage bezog sich einfach generell auf die Aussage von dir, dass es (früher) Rätsel gab welches echt frustrierend war.

Und stimmt das etwa nicht? Nicht nur in Alundra, sondern auch in anderen Games gab es früher Rätsel, wo man sich dachte was die Entwickler für sachen geraucht haben. Und ehrlich gesagt habe ich heute kein bock darauf. Hast du Deus Ex:Human Revolution mal gespielt? Ein beispiel: Es gibt eine Sidequest, wo man 3 Navigationsgeräte Hacken muss damit man die Position einer Person herrausfindet. Ohne Questmarker wüsste ich zumindest nicht auf welchen Dächern die Satelittenschüsseln wären, denn das ist der einzige Hinweis, den man bekommt. Und auf ein ewiges "Such mich!" spielchen habe ich kein bock.
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Guffi McGuffinstein
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Re: Sind wir weichgespült worden?

Beitrag von Guffi McGuffinstein » 03.05.2013 19:48

Ich weiß, eine Schandtat, dass ich jetzt meinen eigenen Thread wieder aus der Versenkung hole, aber ich habe in den letzten Tagen wieder eine Erfahrung gemacht, die voll auf mein angesprochenes Thema passt.

Zunächst: Ich bin kein allzu großer RPG Spieler. Gothic hab' ich zum Beispiel nie gespielt. TES 4 Oblivion war so ziemlich meine erste große Erfahrung in der Richtung und bis auf den Nachfolger Skyrim hab' ich auch sonst nix in der Richtung gespielt. Bei beiden Spielen hat man ja bekanntlich eine Karte, einen Kompass mit Pfeilen am oberen Bildschirmrand und allerlei Hilfen um den Weg zu finden.

Jetzt habe ich nach langer Zeit mal wieder Vampire The Masquerade Bloodlines ausgegraben welches sich ja auch zu den RPGs zählen darf, nur eben wesentlich moderner. Was mir dabei aufgefallen ist, dass ich tatsächlich zu Beginn des Spiels mich mehrfach erwischt habe, "m" für Map zu drücken obwohl es gar keine gibt. Genauso wenig wie Kompass mit Richtungsanzeigen oder ähnlichem. Bis auf die Karten an den Bushaltestellen muss man sich immer den Weg komplett selber suchen.

Ich fand' es ausgesprochen interessant, festzustellen, wie man sich an bestimmte Hilfen gewöhnt hat. Das mag ja im Grunde nichts schlechtes sein doch mir hat es mal deutlich aufgezeigt, wie einem dadurch der Entdeckergeist gekillt wird. Klar, die Gebiete in Vampire sind nicht besonders groß und ich konnte mich auch noch an das meiste erinnern aber an einigen Stellen musste ich dann doch erst mal suchen gehen was ich aber unerwartet erfrischend fand.
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Exedus
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Re: Sind wir weichgespült worden?

Beitrag von Exedus » 03.05.2013 20:19

Hast du Deus Ex:Human Revolution mal gespielt? Ein beispiel: Es gibt eine Sidequest, wo man 3 Navigationsgeräte Hacken muss damit man die Position einer Person herrausfindet. Ohne Questmarker wüsste ich zumindest nicht auf welchen Dächern die Satelittenschüsseln wären, denn das ist der einzige Hinweis, den man bekommt. Und auf ein ewiges "Such mich!" spielchen habe ich kein bock.
vernüftige questtexte würden da schon wahre wunder wirken

ugurano22
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Re: Sind wir weichgespült worden?

Beitrag von ugurano22 » 21.03.2014 23:16

die spiele sind alle vercaulisiert, außer dark souls das für speziele spieler richtet.

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Cpl. KANE
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Re: Sind wir weichgespült worden?

Beitrag von Cpl. KANE » 21.03.2014 23:33

Die Tatsache dass Dark Souls hier schon oft als aktueller (und einziger?) Gegenpol genannt wurde beweist dass dies eine berechtigte Frage ist. Ich stimme dem zu, auch wenn der Schwierigkeitsgrad nur ein Teil von vielen ist, was ein gutes Game ausmacht.

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Exedus
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Re: Sind wir weichgespült worden?

Beitrag von Exedus » 22.03.2014 01:08

außer dark souls das für speziele spieler richtet.
Es gibt schon ein bischen mehr als DS . Arma im shooter bereich zb oder Paradox Spiele im strategie bereich.

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schockbock
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Re: Sind wir weichgespült worden?

Beitrag von schockbock » 22.03.2014 16:49

Schätze bei Shootern geht die Argumentation eh nicht so auf, denn da kann man die Schwierigkeit relativ einfach über Munitionsverteilung/Widerstandskraft/Waffenstärke regulieren- okay, ich muss zu meiner vollsten Zufriedenheit gestehen, dass ich nie einen der Vorzeigeshooter a la Call of Duty gezockt hab, aber bei einem Arena-Shooter wie Painkiller kann einem der Hintern schon ziemlich auf Grundeis gehen, wenn man auf schwer+ spielt.
Ansonsten find ich auch, dass man Anspruch nicht mit Unzugänglichkeit verwechseln sollte- einem guten Spiel gelingt es, vom Spielgefühl convenient zu sein, und den Anspruch im Rahmen dessen zu generieren.

Aber wahrscheinlich spielen da auch noch andere Faktoren mit rein, wie die Erwartung, mit der der Spieler an die Sache geht. Es ist ja nicht von der Hand zu weisen, dass mancher Leute Zockerehre mit der Häufigkeit der gestorbenen Tode steht und fällt. :Häschen:
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Fiddlejam
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Re: Sind wir weichgespült worden?

Beitrag von Fiddlejam » 30.03.2014 22:32

Ich würde gerne einmal das komplette Gegenteil fragen: Kann es sein, dass wir seltsam besessen sind von Schwierigkeitsgraden?

Kurze (Lüge: lange) Hintergrundgeschichte: Ich bin aktuell vertieft in meine Total War: Shogun 2 - Fall of the Samurai Kampagne. FotS hat bekanntermaßen wie das Originalspiel die "Realm Divide"-Mechanik im Midgame, das heißt durch ein geskriptetes Event nachdem der Spieler eine gewisse Anzahl von Territorien erobert hat, richten sich sämtliche andere Clans urplötzlich gegen einen und Diplomatie wird für den Rest des Spiels mehr oder weniger unmöglich (sodass es dann wirklich zum sprichwörtlichen totalen Krieg wird und man nur die Wahl hat sämtliche Gegner platt zu walzen).
In Fall of the Samurai ist das ganze etwas komplizierter: dort gehört der Spieler den Kaisertreuen oder den Shogun-Treuen an und bleibt so nach dem Realm-Divide zumindest mit denen verbündet, die der selben Treue anhängen. Alternativ kann man wählen, unabhängig zu sein, woraufhin sich erneut alle Clans gegen einen stellen (und was ich in meiner aktuellen Kampagne getan habe).
Noch ein bisschen Hintergrund: Ich spiele mit dem bekannten DarthMod, der unter anderem die AI verbessert und einige andere Balance-Probleme, sowie das Spiel allgemein realistischer machen soll. Außerdem behebt er ein bisschen was am Realm Divide. In der normalen Kampagne ist es somit zumindest teilweise möglich, noch Diplomatie zu führen und Allianzen zu halten. In FotS bleibt es allerdings so wie es ist, und was das große Problem für die Unabhängigkeits-Spieler ist, Vasallen nehmen nicht automatisch die Gesinnung ihres Herren an (was sie tun, wenn man Kaiser- oder Shogun-treu ist), sodass es vollkommen sinnlos ist solche zu kreieren und man erneut bei "Mach einfach alle platt" endet.

Jedenfalls, da ich das Gefühl der vorherigen Total War Spiele mehr mochte, wo man mit Diplomatie durchs ganze Spiel hindurch etwas lösen konnte und sich auch mit Protektoraten/Vasallenstaaten umgeben konnte, war ich auf der Suche nach einem Mod, der das Problem lösen konnte.
Dabei stieß ich auf einen Thread auf Steam in dem es um eben so einen Mod, der Realm Divide deaktivieren könnte, ging. Der Autor fragte danach und bat um sinnigere Antworten als "Lern doch erstmal richtig spielen".
Die Antworten? Er solle doch erstmal richtig spielen lernen.
Huh.
Ich hatte "darth mod kompatibel" in die Suche einbezogen, weil es eben das war was ich suchte, und im Thread kam Darth Mod eigentlich nur vor, weil die User meinten, es würde das Spiel vereinfachen. Was ich für ausgemachten Blödsinn halte, denn ich habe die KI des ungemoddeten Spiels gesehen und kann sagen dass sie objektiv schlechter ist. Was Darth Mod allerdings tut, ist gescriptete Vorteile der KI zu entfernen (z.B. erhöhtes Einkommen, schnellere Einheitenrekrutierung und auf den höchsten Schwierigkeitsgraden unsichtbare Boni im Kampf). Ich möchte das noch einmal herausstellen, nicht weil es mir drum geht ob der Mod mit dem ich spiele gut oder schlecht ist, aber weil diese User offensichtlich glauben dass "lern erstmal richtig zu spielen" nichts mit echter taktischer Überlegenheit, sondern mit "wie trickse ich die cheatende KI aus" zu tun hat.
Noch dazu ist das ganze Argument Unsinn, zumindest für mich. Ich kann sehr gut mit Realm Divide spielen. Ich habe aktuell einen Wirtschafts-Boost aktiviert, sodass ich mindestens fast ein dutzend volle Armeen auf dem Feld habe und meine Gegner (so gesehen eigentlich nur noch drei Clan) jede Runde mindestens einen neuen vollständigen Stack an die Front schicken. In jeder größeren Schlacht kommen mittlerweile drei Verstärkungsarmeen des Gegners vor sodass ich teilweise 1:2 in der Unterzahl bin und trotzdem gewinne. Es geht langsam, aber es geht trotzdem vorwärts. Mein Problem ist nicht das, denn ich mag eben diese Massenschlachten, mein Problem ist dass ich gerne auch in irgendeiner Weise Diplomatie anwenden würde weil es mir unrealistisch und langweilig erscheint dass ein Gegner lieber eine Armee nach der anderen schrottet statt einmal über Frieden nachzudenken.

Worauf ich hinaus will ist, dass einige Pseudo-Hardcore-Gamer derart versessen auf ihren allmächtigen Schwierigkeitsgrad zu sein scheinen, dass die schiere Vorstellung, dass irgendjemand nicht gegen eine cheatende und strunzdoofe KI spielen möchte sie völlig aus den Socken haut.

Was ich jetzt konkret - und sehr langwierig - dargelegt habe war natürlich nur ein Beispiel. Aber jeder dürfte ähnliches ja schon einmal gesehen haben, sei es wenn jemand nach Cheats fragt, oder Walkthroughs, oder was auch immer. Ich will dabei nicht einmal die ganze Problematik "Spiele mit einfachem/kaum vorhandenen Gameplay und Storyfokus" einbringen (Dear Esther, The Walking Dead, etc.) Es geht mir um diese "Du hast es nicht verdient, das Ende zu sehen"-Mentalität. Wenn mich ein gameplay-basiertes Hindernis davon abhält die Story zu verfolgen ist das für mich ein objektives Anzeichen eines schlecht designten Spiels. Ich sage ganz ehrlich, wenn mich in einem Adventure ein besonders idiotisches Rätsel aufhält, greife ich zum Walkthrough. Wenn ich in Minecraft etwas bauen will, nehme ich den Creative-Mode und konzentriere mich in Survival wirklich nur auf das, was im Namen steckt. Wenn es um Sammelgegenstände geht, greife ich beinahe immer zu einer Komplettlösung. Ich habe auch kein Problem damit, mir in einem (MMO)-RPG einen Charakterguide durchzulesen bevor ich spiele.

Aber irgendwie sehe ich immer öfters dieses "Finde alles selbst und ertrage jeden Bullshit den dir das Spiel entgegenwirft"-Rumgeheule. Rumgeheule, weil ich ehrlich gesagt nicht verstehen kann warum sich einige Menschen derart auf den Schwanz getreten fühlen nur weil jemand anderes das Spiel, dass sie selbst spielen, anders spielen will.

Ich bin ja auch der Meinung dass eigene Erkundung und Entdeckung in modernen Spielen zu kurz kommen, auch wenn ich mehr gegen Schlauchlevel und angeblich offen Welten die dann doch total leer sind bin als etwa gegen Minimaps und vernünftige Tutorials.
Aber irgendwie erscheint es mir, dass einige annehmen, dass Erfahrungen um jeden Preis zu sein haben, egal ob positiv oder negativ. Ich verstehe ja dass es ein tolles Gefühl ist ein Rätsel selbst zu lösen oder einen Ort zu entdecken von dem man nicht wusste, aber wo ist beispielsweise das Erfolgserlebnis darin, meinen Char zu verskillen? Mir wäre es da irgendwie lieber einen richtig geskillten zu haben und mit dem dann selbst zu Entdecken wie ich einen gewissen Gegner besiege statt es überhaupt nicht lernen zu können, weil er eben von vornherein nicht effektiv geskillt wurde.


Was sagt ihr dazu? Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Findet ihr diese prinzipielle "Du musst es dir verdienen das Ende zu sehen"-Mentalität gut? Oder gehört ihr eher zu denen die auch mit dem Spiel herumexperimentieren wollen?

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Lord Hesketh-Fortescue
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Re: Sind wir weichgespült worden?

Beitrag von Lord Hesketh-Fortescue » 31.03.2014 08:18

Fiddlejam hat geschrieben:Es geht mir um diese "Du hast es nicht verdient, das Ende zu sehen"-Mentalität.
Mit solchen Nasen muss man in Foren immer rechnen. Kennt man. Auf dümmlichem Distinktionsgebaren basierende, völlig irrelevante Scheinvorschriften, wie man Spiel XY zu spielen habe. So richtig true. In jeder Hinsicht ignorierenswert, da hätte ich ehrlich gesagt auch null Rechtfertigungsbedürfnis. Jeder muss doch selbst wissen, wie er ein Spiel am liebsten spielen möchte, ob er sich ggf. Mods draufzieht (und wenn ja welche), ob er Walkthroughs nutzt, sich Tipps bei Bosskämpfen oder Rätseln einholt etc.pp.

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Guffi McGuffinstein
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Re: Sind wir weichgespült worden?

Beitrag von Guffi McGuffinstein » 22.04.2014 05:01

Ich muss auch zugeben, dass mein einleitender Post vielleicht nicht differenziert genug war.

Schwierigkeitsgrad und forderndes Gameplay sind ja nicht das gleiche. Ich hab' beispielsweise auch Hitman Blood Money unter höchstem Schwierigkeitsgrad durchgespielt und danach im niedrigsten Schwierigkeitsgrad sämtlichen Unsinn ausprobiert der dann bisweilen auch nur funktioniert hat, weil ich eben NICHT sofort gestorben bin. Das Gameplay an sich hat sich dabei nicht verändert. Genauso könnte man es umgekehrt machen um seine Fähigkeiten nach und nach zu verbessern.

Was ich schlichtweg störend finde sind übermäßige Hilfen speziell was den Weg zum Ziel angeht.

Ich hab' mittlerweile auch die ein oder andere Bildungslücke gestopft und die meisten Call of Duty Teile nachgeholt und muss sagen: Sie erzählen eine gute solide Story (wobei Infinity Ward das besser hinkriegt als Treyarch) und man hat ständig Action um sich herum. Ein spielbarer Actionfilm bei dem man aber kein Regisseur ist sondern das Spiel die Regie führt. Man bleibt dadurch im Spielfluss und bleibt nicht stecken. Genau so sollte ein Actionfilm auch sein. Das ist zur Abwechslung auch sehr unterhaltsam. Mich lässt es am Ende allerdings auch mit dem Gedanken zurück: "Wirklich viel selber denken musstest du ja jetzt nicht und für den Oberbösewicht musstest du noch nicht mal selber zielen..." :?

Genau da ist dann auch der Knackpunkt: Zur Abwechslung mal Popcornkino zu schauen macht Spaß. Blöd ist nur, wenn man irgendwann nix anderes mehr sieht. Und im Gaming Bereich werden wir zusehends mit Popcornkino überschüttet während der spielerische Anspruch, das richtige Nutzen der Möglichkeiten, nämlich selber Herr (oder Frau) der Lage sein zu können anstatt wie im Film nur zuzuschauen, immer unbedeutender zu werden scheint.

Half-Life 1 (und auch 2) sind ja z.B. auch Schlauchshooter, lassen einen aber alleine ohne Karte und aufgeschriebenes Ziel. Bei Max Payne 1 und 2 war es genauso. Es gab nur einen Weg aber den musste man selber finden und hat nicht einen leuchtenden Punkt mit Entfernungsangabe mitten im Bild gehabt. Hatte ich dadurch weniger Spaß? Ganz sicher nicht, zumal in dem Fall die fehlende Hilfe das Gefühl der Einsamkeit noch verstärkt hat.

Natürlich lässt sich das jetzt nicht einfach auf sämtliche Genres übertragen. Speziell bei Strategiespielen begrüße ich z.B. jede Komfortfunktion. Wenn ich statt drei Klicks nur noch einen machen muss um das gleiche Manöver auszuführen hat das für mich nichts mit Schwierigkeitsgrad zu tun. Im Gegenteil, es verbessert die Möglichkeit sich auf das Spiel selber konzentrieren zu können. In dem Genre hat sich in meinen Augen vieles wirklich weiter verbessert.

Mittlerweile glaube ich, dass die Entwicklung so verlaufen ist, dass sich Schwierigkeitsgrade nach unten verschoben haben. Den einfachen, den man sich früher manchmal aus Frust gewünscht hat bekommt man jetzt überall während der schwere, den man von der Vergangenheit kennt, kaum noch zu finden ist, da er eben zu viel Frust mit sich bringt.


...und trotzdem frage ich mich immer noch, wie ich Hitman Codename 47 oder GTA 1 damals so locker hinbekommen habe... :Blauesauge:

edit/ Vielleicht ist es ja wie das, was man in der Kindheit so gemacht hat. Wenn ich heute an manchen Bäumen oder Mauern hochschaue und mich erinnere, dass ich da mal hochgeklettert bin denke ich auch darüber nach, ob ich das heute überhaupt noch schaffe und wenn ich's dann wirklich mal versuche sehe ich vor meinem geistigen Auge schon den Krankenwagen kommen. :lol:
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Re: Sind wir weichgespült worden?

Beitrag von Lord Hesketh-Fortescue » 25.04.2014 14:44

Elderbunnie hat geschrieben:Genau da ist dann auch der Knackpunkt: Zur Abwechslung mal Popcornkino zu schauen macht Spaß. Blöd ist nur, wenn man irgendwann nix anderes mehr sieht. Und im Gaming Bereich werden wir zusehends mit Popcornkino überschüttet während der spielerische Anspruch, das richtige Nutzen der Möglichkeiten, nämlich selber Herr (oder Frau) der Lage sein zu können anstatt wie im Film nur zuzuschauen, immer unbedeutender zu werden scheint.
Ohne Frage gilt das zumindest für große Teile des AAA-Bereichs und ist ein Stück weit der Preis, dass Spiele allerspätestens mit der letzten Konsolengeneration "in der Mitte der Gesellschaft" angekommen sind. Die fast schon zwanghafte Parole lautet hier: Ein Spiel MUSS schnelle Erfolgserlebnisse liefern können, es MUSS auch Spieler mit kurzer Aufmerksamkeitsspanne und geringer Frustrationstoleranz ununterbrochen bei der Stange halten und darf sie unter keinen Umständen durch mangelnde Führung oder Überforderung "verlieren". Das betrifft den allgemeinen Schwierigkeitsgrad, die Hilfs- und Komfortmittel, die Gameplay-Komplexität sowie die Gegner-KI. Es müssen auf Teufel-komm-raus schnelle, aufeinanderfolgende, lückenlose Erfolgserlebnisse garantiert werden können. Für die Spieler, die sonst abspringen oder - schlimmer! - ganz fernbleiben.

Warum es dann manche Spiele aus dem AAA-Segment trotzdem nicht gebacken bekommen, zumindest auf dem allerhöchsten optionalen Schwierigkeitsgrad, der dann ironischerweise häufig auch noch "Wahnsinn" oder "Selbstmord" heißt, wenigstens den Gegnerschaden, Trefferrate und die eigenen HP so einzustellen, dass man auch als erfahrener Spieler fies zu kämpfen hat, ist mir dennoch ein Rätsel. Beispiel FarCry 3, bei dem ein Extra-Schwierigkeitsgrad erst nachträglich nach Protesten ins Spiel gepatcht werden musste. Wieso nicht gleich so, wenn's doch eh optional ist und nur erfahrene Spieler anspricht?

Auf der anderen Seite: Je weiter man sich vom Mainstream wegbewegt, desto weniger stark fällt das bemutternde "An-die-Hand-nehmen" des Spielers durch das Spiel auf. Und so etwas wie die Souls-Reihe wird plötzlich zum Mainstream, gerade weil sie Kontrapunkte setzen kann und bewusst den gestählten Spartiaten im Spieler anspricht, was von manchen angesichts der angeprangerten "Vercasualisierung" nahezu messianisch wie eine Befreiung gefeiert wurde. Ein weiterer Trend könnte auch in einer Art Baukastensystem liegen: siehe das neue Thief. Es gibt zwar unzählige Hilfs- und Komfortfunktionen, die aber allesamt separat an- und abstellbar sind, so dass man sich auf diese Weise sein Spiel - on demand wie an einer Salatbar - zusammenstellen kann. Dass das für erfahrene Veteranen nur second best im Vergleich zu einem von vornherein konsequent durchdachten Gameplay ist, naja, das ist wohl auch klar. Das bringen halbherzige Spagatlösungen leider mit sich. Aber immerhin, es wird nach Wegen gesucht, auch anspruchsvolle Spieler (was immer das im Einzelnen heißen mag) anzusprechen.

Einigkeit dürfte wohl darin bestehen, dass man langfristig sowas wie einen "gesunden Mittelweg" aus Triple-A-Hochglanzoberfläche und Anspruch wieder stärker bedient sehen würde. Spiele wie TLoU weisen da meiner Meinung nach aber schonmal in eine brauchbare und vorsichtig optimistisch stimmende Richtung, da sie erfahrene Spieler und Gelegenheitsspieler gleichermaßen ansprechen können und dabei durchaus noch beachtliche Schauwerte haben. Dark Souls geht einen anderen Weg und ist Beweis, dass es da draußen auch einen Gegentrend gibt, nämlich einen regelrechten Heißhunger nach allem, was der gluckenhaften Bevormundung, die viele größeren Produktionen dem Spieler wie ein schmatzender Knutschi von Oma aufdrücken, entgegen wirkt. Und auch mit verschiedenen Crowdfunding-Modellen können in Zukunft noch beachtliche Lücken geschlossen werden, und das quasi nach Belieben.

Ich blicke jedenfalls nicht sonderlich pessimistisch in die Spielezukunft - anders, als noch Mitte der 2000er. Genau genommen reagiere ich mittlerweile auf die kollektiven Heulkrämpfe anlässlich der pöhsen "Vercasualisierung", wie sie immer noch beinahe rituell in Spieleforen zelebriert werden, eigentlich nur noch mit Schulterzucken und zügigem Weiterlesen.

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Re: Sind wir weichgespült worden?

Beitrag von LueyTV » 26.04.2014 01:03

Ich habe es gestern erst wieder gemerkt in unserem laufenden Let`s Play von Castlevania: Lords of Shadow 2, wie sehr doch Spiele heutzutage casualisiert werden, nur damit die Masse sie spielen kann. Ein Quicktime-Event und dummes Schaltersuchen und Pushen folgt dem Nächsten. *gähn* Wenn Spiele schon zu PS One- oder PS 2-Zeiten so anspruchslos gewesen wären, dann würde ich wohl heute gar nicht mehr zocken. Aber wie heißt es immer so schön? Die Hoffnung stirbt zuletzt und nicht zuletzt im Indie-Bereich oder via Kickstarter kommen sicherlich in den nächsten Jahren noch richtige Perlen raus, die einen doch wieder ein bisschen an die gute alte Zeit erinnern, wo man sich stellenweise nächtelang die Birne zermatert hat, wo denn jetzt das rettende Item steckt oder wo man wann hin muss, um es später leichter zu haben.

Auch wenn man es nicht pauschalisieren darf: Ein bisschen gebe ich Nintendo die Schuld durch das Konzept der Wii, denn erst seitdem muss ja selbst die Oma Spiele spielen können. Bis dato waren Videospiele für die Generation eher Teufelswerk. Habe selber den Hype um die Zappelei nie verstanden, kam aber an wie Hulle. Und seit der Zeit werden auch die Spiele der anderen Hersteller immer anspruchsloser.

Ist meine Sichtweise, verlange von Keinem da draußen sie zu teilen, ehe hier wieder der große Fanboy-War ausbricht. Nur eine eigene Meinung darf ja wohl erlaubt sein. :D


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Re: Sind wir weichgespült worden?

Beitrag von Kryt1cal » 26.04.2014 08:54

Elderbunnie hat geschrieben:Hi allerseits,

ich spiele momentan mal wieder Hitman 2 Silent Assassin von 2002. Zwischendurch auch mal ein bisschen den 1. Teil. Außerdem bin ich jetzt wieder über die (übrigens genialen) Soundtracks von Grand Theft Auto und Grand Theft Auto 2 gestolpert und da sind bei mir alte Erinnerungen aufgekommen.

Dazu ist vor meinem geistigen Auge auch mal aufgefallen, wie unglaublich hart und schwer diese Games teilweise waren. Auch Hitman 1 ist im Vergleich zu den neueren Teilen, zu Absolution sowieso, knüppelhart.

Wenn ich heute diese Spiele starte, dann fällt es mir doch teilweise schwer, weiter zu machen, weil sich nicht selten nach kurzer Zeit ein intensiver Frustfaktor entwickelt.

Wie kam es, dass wir (ich behaupte einfach mal, dass ich damit nicht alleine da stehe) früher diese Games exzessiv gespielt haben, ohne uns über den Schwierigkeitsgrad zu mokieren? Haben uns die "modernen" Games, die einen manchmal mit Hilfestellungen überschütten, weichgespült? Vertragen wir keine fordernden Games mehr, die uns manchmal ratlos vor dem Monitor sitzen lassen und uns zwingen, sich tatsächlich mit dem Handbuch (wenn's denn eins gibt) zu befassen?

Ich bin gespannt auf eure Meinungen und Ansichten dazu und ob es euch auch so geht.
Hier ist mal ein schönes Bild zu dieser Thematik :

Bild
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Sarkasmus
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Re: Sind wir weichgespült worden?

Beitrag von Sarkasmus » 26.04.2014 13:53

Kryt1cal hat geschrieben:
Hier ist mal ein schönes Bild zu dieser Thematik :

Bild
Und jetzt erklär mir (Baujahr 1988), der erst 2004 mit der PS2 so richtig auf die große Konsolen gekommen ist und vorher nur ein Gameboy hatte, wo auf dem linken Bild merh Anspruch/Schwierigkeits/was weiß ich drin hast?

Auch wenn mein Name Sarkasmus ist, ist das eine ernst gemeinte Frage.

Denn was bringt mir ein "freierer" Schlauch mit "normal" KI und haufenweise Backtracking?
Für mich kommt es auf die inneren Werte an und ich bin auch froh das nicht jedes Spiel so schwer ist das es frustiert.
Ja es gibt zu wenig Spiele für Leute die es gern schwer, nicht trial&error unfair ;), haben.Aber das liegt auch einfach daran das es im Vergleich einfach zu wenig Leute gibt die auf schwere Spiele stehen.
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TGEmilio
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Re: Sind wir weichgespült worden?

Beitrag von TGEmilio » 02.05.2014 10:45

Ich glaube die Anzahl an Spieler, die "schwere" Spiele wollen, ist gleich geblieben, die Anzahl an Spielern weltweit jedoch ist größer geworden. Wie oben schon geschrieben, wurde durch das Wii-Zeitalter auch die Oma an die Konsole gesetzt, MS und Sony haben nachgezogen, mittlerweile ist die Konsole eine Multimediastation im Wohnzimmer. Wenn ich irgendwo nicht weiter komme, dann muss ich nur ganz schnell auf google gehen oder auf youtube ein let's play oder walkthrough ansehen, früher hab ich es immer weiter probiert und schließlich am nächsten Tag mich in der Pause mit meinen Klassenkameraden ausgetauscht. Heute stehen Cheats direkt auf diversen Homepages, früher bin ich nach einem Monat Warten auf die neue Club-Nintendo oder später eine N-Zone fast ausgeflippt, als da der Ansatz eines Lösungsweges drin stand oder es einen Big-Head-Cheat gab ^^ Heute lebt sich alles viel schneller und wenn man Call of Duty nicht innerhalb der ersten Tage schon durch hat, hätte man ja gar keine Zeit sich schon auf den Nachfolger vorzubereiten.... Kleine Fleischbällchen sollen ja nicht satt machen sondern Hunger auf mehr hervorrufen.
Ich hab auch diverse Teile der CoD Reihe gespielt, die letzten allerdings ausgelassen. Denn: Kann ich mich noch an irgend etwas erinnern, woran ich länger dran gesessen habe ? An einzelne Spielszenen? Ok, zugegeben, das erste MW... die Snipermission ist echt klasse in Szene gesetzt! Aber die bockschweren Dinge sind meist die, die einen in Erinnerung bleiben. In Megaman 3 hab ich noch jede einzelne Musik im Hinterkopf, auch weil sie genial sind aber hauptsächlich weil ich jede Stage ca 1000 Mal spielen musste, damit ich sie endlich geschafft hatte ^^

Spiele sind wirklich einfacher geworden, dass liegt nicht daran, dass heutige Spieler schlechter geworden sind sondern weil die Spieler, die ihr leben lang gezockt haben seit sie 6 Jahre alt sind, sich zum einen verbessert und Erfahrung gesammelt haben (A Link between Worlds war super, ich hab es geliebt, aber die Rätsel waren vorhersehbar als alter Zelda-Hase...) sondern weil nun auch eine Spielergeneration da ist, die ohne "Vercasualisierung" wahrscheinlich gar nicht erst zu Spiele gegriffen hätte und die es heute nicht zu stillen gegeben hätte. Die Industrie hat neue Märkte erschlossen vor ca. 10 Jahren, die gilt es nun auch weiter zu beliefern. Die Masse schlägt den einzelnen nerdigen Gamer (erfundenes Beispiel 10:1), die Masse bezahlt besser. Schade eigentlich, aber nicht zu ändern, zumindest solange, bis die "How I Met Your Mother" Generation "Big Bang" schaut...
(hoffe, der Vergleich ist zu verstehen, ich hab auch beides geschaut, ... )

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