Hab mir den Trailer mal angesehen und ein wenig vom Text auf der Webseite darunter durchgelesen, was jetzt folgt ist meine Ansicht, gewonnen durch Lebenserfahrung und Nachdenken im Laufe der Zeit:
(ich betone es, da ich füchte mein Text wird sachlich ausfallen und wenig "meiner Meinung nach" oder "ich denke" formulieren)
Gewaltdarstellung und Verarbeitung ist immer eine Frage von Moral und Ethik im Bezug auf das soziale Miteinander. Es macht einen Unterschied, ob es ein Spiel aus Spaß ist oder die Grausamkeit, die Angst, das Nichtmenschliche in höchsten Zügen dargestellt wird. Kinder spielen Räuber und Gendarm, rennen umher, rufen keuchend "Peng, Peng, du bist tot!". Dabei sehen sie allerdings das Leid und die Qualen der Hinterbliebenen nicht, oder die Konsequenzen von Gewalt für das Opfer. Manchmal ist das Verstehen von "Tod" auch erst wirklich greifbar, wenn jemand real stirbt, der einem nahe stand. Ich denke beim Spielen ist Gewalt ein Überbleibsel alter Tage, als das Anwenden von Gewalt für das Überleben noch wichtig war. Wir betrachten unsere moderne Gesellschaft als zivilisiert genug, um Gewalt abzulehnen, es als nicht mehr notwendig zu gebrauchen - im normalen Alltag westlicher Welten stimmt es auch (einigermaßen). Dennoch ist es nach wie vor verankert und übt eine solche Faszination auf uns aus.
Wichtig ist dabei aber immer der Kontext. Ein psychopathischer Massenmörder, wie hier in Hatred, funktioniert nicht in der Gesellschaft. Wir wissen es und können uns deswegen nicht mit ihm identifizieren, wir wollen es gar nicht und lehnen ihn deswegen ab. Die Ablehnung erfolgt einerseits aus unbewusster Angst, andere würden denken, man selbst teile und bevorzuge jene Ansichten über Mitmenschen, sie seien zur zum Abschlachten da, andererseits wollen wir den von uns geliebten Mitmenschen solche Gefühle gegenüber nicht aufbringen. Da allerdings wie alles aus unserem Umfeld auf uns abfärbt, setzt man sich ihm lang genug aus, kommt es zu einer automatischen Antipathie. Es ist ein Verhalten, welches man selber ablehnt. Bei einem Counterstrike, GTA oder andere Spiele, bei denen ebenfalls Gewalt angewendet wird, gnadenlos und ohne Rücksicht, fehlt diese soziale Komponente und vom Spieler wird nur die reine Ausführung und der Grund gesehen.
Es ist ein Unterschied, ob die Waffe zum Kopf geführt wird, um sich innerhalb der Handlung zu verteidigen, einen Bösewicht zu besiegen, die Taktik (im Falle von CS) zu Ende zu führen. Schach gilt als sehr "brutal", da es um nichts anderes als um das Töten der feindlichen Armee, des feindlichen Königs geht. Durch die Figuren ist es allerdings so abstrakt und die dafür notwendige Strategie steht so im Vordergrund, dass der Ursprung des Spieles vollkommen ausgeblendet wird.
Bei Hatred hingegen ist das Leid des Opfers nicht nur Teil des Spieles, es übernimmt eine Hauptrolle. Die Hauptfigur wird nur von Hass getrieben und will seine Mitmenschen leiden sehen. Bei einem symphatischen Helden gibt es noch ein Verhalten und Persönlichkeitszüge, die wir problemlos auf uns übertragen können und derer wir uns nicht komplett schämen bzw. verurteilen. Selbst für Gewalt ist es ein Unterschied, ob es zum reinen Selbstzweck vorhanden ist oder Notwendig, um etwas Auszudrücken. Spec Ops: The Line hat Gewalt, nutzt es aber um dem Spieler die Konsequenzen dessen vor Augen zu führen. World of Gun: Disassembly ist auch nichts anderes als Waffenporno; es zelebriert Waffen. In dem Spiel geht es um nichts anderes als Waffen auseinanderbauen, zusammenbauen, das ganze auf Zeit und anschauen, wie verschiedene Waffen im Detail funktionieren, mit Querschnitt, Zeitlupe und anderen Anzeigemöglichkeiten.
Es fehlt allerdings jeglicher emotionaler Kontext in welcher Art auch immer zu den Folgen von Waffen. Es konzentriert sich einzig auf den bei Waffen dahinterliegenden Mechanismus und die Ingenieurskunst. Jagged Alliance ist ein Söldnerspiel, bei dem man dafür bezahlt wird Menschen zu töten. Es hat allerdings auch den Kontext eines Denkspieles. Wer allerdings, z.b. weil er sich nicht genügend damit beschäftigt oder aufgrund seiner persönlichen moralischen/ethischen Werte dies nicht im selben Maße nachvollziehen kann, wird stärker die Verbindung zu den Folgen sehen: Gewalt ist nichts schlechtes, nichts verbotenes, nichts, was man nur in bestimmten Situationen ausführt. Denn im Grunde wird es in Spielen nirgends gesagt "Nur hier Gewalt".
Es ist etwas, was vorausgesetzt wird, dass der Spieler reif genug ist, um Situationen zu differenzieren. Wenn in einem Film der Gute Gewalt anwendet wird gejubelt, beim Bösen wird gebuht. (Klein)Kinder machen dies noch stärker, siehe Theaterpuppenspieler mit dem Kapser und Krokodil. Sie erkennen dabei allerdings nur Gut und Böse, nicht die Gewalt selber. Oder deren Konsequenzen. Das kommt erst später, wenn sie älter werden und komplexe Zusammenhänge besser verstehen können. Was allerdings verstanden wird ist, Gewalt ist manchmal notwendig und führt zum gewollten Ergebnis.
Wie ich schon sagte, der Hang zur Gewalt ist nach wie vor in uns. Abstrakterweise brauchen wir ihn auch noch, wenn auch nicht in der Form. Um sich im Leben, privat wie beruflich durchzusetzen, muss man manchmal "gewaltätig" werden. Nicht unbedingt in physischer Form, aber in mentaler. Wobei selbst physisches Drohen (unterschwellig) vorhanden ist. Und so weiter, aber jetzt glaube selbst ich, ich schwenke zu weit ab. >.>
Um einen weiteren Punkt aufzugreifen, der wieder stärker zum Thema zurückführt: Horrorfilme sind besonders unter Jugendlichen beliebt, da es den Tot und den Umgang mit Tot behandelt wie kaum ein anderes Genre. Es wird geschrien vor Angst, vor Schmerzen, aus Trauer über den Verlust. Und es bietet, wie generell brutale Filme, getreu dem alten Sprichtwort "Du bist erst ein Mann, wenn du getötet hast" erwachsen zu werden. Anders ist es in unserer modernen Gesellschaft nicht möglich. Tja...war vielleicht doch etwas viel, nur um zu erklären, warum Gewalt trotz allem, nach wie vor einen festen Teil unserer Gesellschaft ausmacht und auch Gewaltverherrlichung bis zu einem bestimmten Punkt (oder unbestimmt, denn ein exakter Zahlenwert existiert nicht) seinen Platz hat. So halbwegs hoffe ich mal.
Ich komm mal wieder darauf zurück, wie unsere Gesellschaft nicht funktionieren würde, würden wir uns wie in den Medien verhalten, die Gewalt nutzen. Es würde gar nicht funktionieren. Leute würden sich nur die Köpfe einschlagen, ihre Probleme, wie Diskussionen, gar nicht lösen können. Man würde auch ständig in der Angst leben, nahestendenen Personen könnte etwas geschehen. Deswegen ist Gewalt nicht erstrebenswert und etwas abstoßendes. Es ist ersteinmal negativ, Gewalt zu zelebrieren und als cool, lustig, erstrebenswert zu feiern. Aber auch das will gelernt werden, welche Konsequenzen Gewalt hat. Kleinkinder müssen dafür erstmal das "ich" und "du" lernen, sich bewusst werden, dass es unterschiedliche Menschen gibt. Sozialwissenschaftlich das Inselprinzip, und bei Erwachsenen ohne diese Fähigkeit Narzissmus.
Deswegen ist es auch ein Unterschied, wie Gewalt darstellt wird. Ob in vollem Umfang oder harmloser, weswegen es dann spielerisch erlernt werden kann, was Gewalt ist, wann man es anwendet. Die Folgen, die Grausmakeiten kommen später, wenn das (Klein)Kind auch in der Lage ist, die Konsequenzen wie Tod und Gefühle anderer zu verstehen.
Hatred find ich insoweit "gut", als dass es aufzeigt, welche negativen Konsequenzen die ganze Gewalt hat. Insoweit, und auch nur insoweit, seh ich es positiv. Es dreht mir im wahrsten Sinne des Wortes den Magen um. Im besten Fall von umgekehrter Psychologie wende ich ich mich ab und fühle mich bestätigt, Mitmenschen kein Leid zuzufügen, das ich nicht auch selber ertragen möchte.
Mir ist allerdings auch bewusst, es gibt Personen, die sich in Hatred bestätigt fühlen, die den Hass auf die Welt und auf Menschen teilen und sich durch die Bestätigung weiter in ihre Gedankenwelt stürzen, weg von einem funktionierenden Miteinander. Wie auch Spec Ops: The Line oder bei Filmen Starship Trooper. Ein solcher Weg ist allerdings auch ein sehr, sehr schmaler. Jeder hat andere Auffassungen von Moral und Ehtik, was ok ist und was nicht. Erst wenn es extrem von der allgemeinen, durchschnittlichen Meinung absteht, wird es als Pervers und ähnlich bezeichnet; ab dem Punkt, ab dem ein friedliches, harmonisches Zusammenleben nicht mehr möglich ist.
Spiele müssen nicht immer Spaß machen, von mir aus dürfen sie auch so abstoßend gewollt sein, dass man den Controller aus der Hand legt....nur widerspricht das sämtlichen Konzepten von "Spielspaß" und Unterhaltungsprodukt. Und diese Reife müssen wir auch erstmal lernen. In der Hinsicht sind wir noch viel zu verspielt.
An der Stelle beende ich mal lieber...ist doch etwas viel geworden, etwas abschweifend, oder gar auf abstrakte Weise doch genau den Punkt getroffen, der als intention in den Fragen ausgedrückt wurde, keine Ahnung. Irgendwo hab ich mich etwas verlaufen, vermute ich. :/
edit: Mal ein wenig Absätze noch
